Newsletter & Kolumnen von Avanti Papi


Kolumne swissmom.ch Januar 2012

Zuckerfreie Woche

Die Sommerferien sind schon eine Weile her, trotzdem ist mir eine Woche noch gut in Erinnerung: die in unserer Familie unterdessen berühmt-berüchtigte zuckerfreie Woche. Die Idee dazu entstand unterwegs im Auto, wo wir viel Zeit für mehr oder weniger tiefsinnige Gespräche hatten und so kamen wir auf das Thema, was denn eigentlich wichtig sei im Leben. Klar, die Familie, die Gesundheit und Freunde. „Und für Papi das Bier am Abend“, sinnierte einer meiner Söhne. „So eine Frechheit!“, sinnierte ich zurück, denn es ist mitnichten so, dass ich jeden Abend ein Bier trinke, geschweige denn, dass ich es brauche. „Und überhaupt kann ich viel leichter auf das Bier verzichten als ihr auf Zucker!“ Und so entstand das Projekt der zuckerfreien Woche.

Die Idee ist ganz simpel: Eine Woche lang keine Nahrungsmittel essen, welchen Zucker zugesetzt wurde. Alles, was von Natur aus Zucker enthält, wie z.B. Bananen, ist nach wie vor erlaubt. Nichts leichter als das, werden Sie sagen und auch ich dachte anfangs so. Die erste Hürde stellte sich uns aber schon am ersten Tag in den Weg, in Form eines Besuches beim Grosi, welcher mich umgehend dazu brachte, die zuckerfreie Woche um einen Tag zu verschieben, denn ohne Süssigkeiten geht beim Grosi nun wirklich gar nichts. Anschliessend ging es zwei Tage ganz gut, bis wir mit unseren Nachbarn in eine Pizzeria gingen. Zugegebenermassen war ich es, der beinahe in die nächste Zuckerfalle tappte: ein Panache! Bier ist wohl zuckerfrei, nicht aber das beigemischte Citro, welches ca. 7 Würfelzucker enthält. So bekam mein Nachbar das Panache und ich begnügte mich mit einem Glass Wasser, da ich der Diskussion um das abendliche Bier keinen weiteren Vorschub leisten wollte. Ganz stolz war ich, dass meine beiden Jungs auf einen Dessert verzichteten und die Schögeli, welche sie vom überschwänglich netten italienischen Personal bekommen hatten, zu Hause brav in die Schublade versorgten. Allerdings musste ich mit ihnen abmachen, dass es nach der zuckerfreien Woche einen Zuckerjokertag gibt, an welchem sie die gesammelten Süssigkeiten essen dürfen (zum Glück war es Sommer und Glace lässt sich bekanntlich nicht so gut in der Schublade lagern).

Das Resultat der Woche war eher unspektakulär. Weder haben wir abgenommen, noch wurden wir ruhiger (übermässiger Zuckerkonsum soll ja bekanntlich aggressiv machen) oder gar lethargisch. Bestimmt haben wir aber gesünder gelebt und vor allem war es für alle Beteiligten interessant, einmal darauf zu achten, wo überall Zucker zugesetzt wird. Dass eine Dose Cola/Fanta/Rivella 15 Würfelzucker enthält, wusste ich schon, aber dass auf 10 Gramm Ketchup ein Würfelzucker kommt, war mir nicht bewusst. Ein weiterer Nebeneffekt war, dass die Schogi am Jokertag viel besser schmeckte! Also empfehlen wir die zuckerfreie Woche zur Nachahmung und stecken den Moralfinger (laut WHO wächst in der westlichen Welt gerade eine Generation heran, die wegen Bewegungsmangel und falscher Ernährung zum ersten Mal eine niedrigere Lebenserwartung hat, als ihre Eltern!) wieder weg, bzw. ins nächste Zuckerglas, aber erst, nachdem wir mit unseren Kindern zwanzig Purzelbäume geschlagen haben!

Dabei wünsche ich viel Vergnügen und verbleibe bis zum nächsten Mal mit süssen Grüssen

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